Archive für Beiträge mit Schlagwort: weiterbildung

Wenn uns eine Kristallkugel zeigen könnte, welche Form im Jahr 2019 Lernen/Weiterbildung in den Unternehmen & Organisationen angenommen hat, was würden wir sehen?

Welchen Mix aus informellem Selbstlernen und Schulungen? Welche Rolle werden dabei „Klassenzimmer“ spielen? Welche Rolle wird das Web spielen, diesseits und jenseits der Firewall? Und welche Rolle werden die beiden zentralen Formen von „e-Learning 1.0“ spielen: also zum einen CBTs/WBTs und zum anderen elektronische Klassenzimmer-mit-Online-Prüfung?

Das war die Big Question, die das LearningCircuit-Blog im März den nordamerikanischen eLearning-Professionals gestellt hat. [Link]

Der kanadische eLearning-Veteran Saul Carliner (danke an Jochen Robes für den Link) kritisiert jetzt die Mehrheit der Experten, die sagt, dass die Zeit herkömmlicher Schulungen vorbei ist und „informelles Lernen“ und Weblernen an ihre Stelle tritt. (In Wahrheit sind deren Antworten deutlich komplexer, aber klammern wir das an dieser Stelle einmal aus).

Carliner sagt, es werde weiterhin ebenso viele herkömmliche Schulungen geben wie bisher, weil Lernen-durch-Bloggen als Grundansatz nicht funktioniere. Darüber dann im nächsten Blogpost hier. Hier erst einmal nur die Antwort auf die Frage des Learning Circuit Blog. Wie wird es 2019 sein?

Tatsächlich denke ich, dass zwei widersprüchliche Antworten richtig sind. Und sie entsprechen ungefähr einem Intranet-LMS-Szenario und einem Web 2.0-Szenario:

(1) Es wird alles so ähnlich bleiben wie es ist, weil sich eingefahrene Strukturen immer nur dann ändern, wenn alles zusammenbricht.

In stabilen Organisationen wird die Weiterbildung 2019 der von heute in etwa so gleichen wie die Weiterbildung von 2009 der von 1999 gleicht — trotz neuer Tools und deutlich mehr Webarbeit. Ähnliche Strukturen, ähnliche Schulungen, ein paar technische Änderungen. Dieses Szenario ist wahrscheinlich bei den (welchen?) Organisationen, die relativ immun bleiben gegen den radikalen äußeren Wandel: d.h. fürsich bestehende Bürokratien und große verwaltungsorientierte Organisationen, sofern sie einigermaßen freigestellt sind vom permanenten Kostendruck der neuen „flachen Welt“. (Es kann sein, dass Schulen und Universitäten als Verwaltungsapparate für „Lernen“ hier noch dazugehören.) Wenn wir großes Glück haben, lernt man dort aus den vielen heutigen Fehlern und macht die Präsenz-Schulungen bis dahin immer besser (das geht, natürlich).

(2) Es wird alles ganz anders sein als jetzt, weil wir die meisten Unternehmen und Organisationen kaum mehr wiedererkennen werden.

Weil die große Idee des letzten Jahrhunderts am Ende ist: eben die „Organisation“ wie wir sie kennen, d.h. gemeinsame Büroarbeit in riesigen Gebäuden, Abteilungen, Fluren und Büros mit festen langfristigen Arbeitsplätzen, aufwändigen Plänen, Stechuhren und täglichem Kantinenessen-Anschlag.

Lernen wird 2019 viel allgegenwärtiger und kurzatmiger sein als es jetzt schon ist, schlicht deshalb, weil Arbeit selbst für die meisten allgegenwärtiger und kurzatmiger (und digitaler) sein wird. Und zwar auch für die, die dann noch „feste Arbeit haben“, aber dabei dann immer mehr Funktionen zugleich tun und überblicken müssen. Und erst recht für alle anderen, die dann entweder selbständig etwas tun dürfen oder vogelfrei etwas tun müssen, wobei typischer Weise schwer zu unterscheiden sein wird, wo Lernen, Arbeiten und ‚Hobby‘ (auch so ein altes Wort) jeweils anfängt oder endet.

Man sieht aus dieser Perspektive, dass „Web 2.0“ eben nicht einfach ein Synonym für eine bessere Welt ist. Es ist eher die positive Begleiterscheinung eines Umbruchs, der unser ganzes Leben sehr oft sehr schmerzhaft trifft. Das Lernen-aus-Blogs schwierig und oft verwirrend sein kann, ist demnach kein Problem des Web 2.0, sondern eines Umbruchs, in dem dauerhaftes, autoritäten-gesichertes Wissen immer knapper wird.

Das heißt umgekehrt aber auch, dass es sinnlos ist, wie Carliner und viele andere Routiniers die Haltung der „skeptischen Praktiker“ gegen die sympathischen, aber leicht spinnerten „Web 2.0-Idealisten“ einzunehmen. Der Umbruch der Arbeitsgesellschaft selbst ist ja so wenig zu verhindern wie das Schmelzen der Gletscher. Wir sind mitten drin. Wenn es uns nicht gelingt, mit den technischen Mitteln und Visionen des Web 2.0 wenigstens Teile davon ins Positive zu wenden, dann um so schlimmer für uns.

Es geht hier jedenfalls nicht mehr um eine Alternative, die man vorsichtig abwägen und geschmäcklerisch entscheiden kann. Was dann aus Instructor-led Classroom Training wird? Im nächsten Beitrag.

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Seit dem Wochenende gibt es ein Wiki, das ein deutschsprachiges Gegenstück zur „Hacking Education“-Tagung entwickeln soll: http://wwweblern.pbwiki.com Eine selbstorganisierende Konferenz sozusagen, die Mitte Oktober stattfinden soll. Jede/r ist aufgerufen, Ideen und Namen beizusteuern. Die spontane Resonanz innerhalb von 12 Stunden war erstaunlich groß. Was ist der Hintergrund?

Vor einem Monat trafen sich in New York ca. 30 Leute zur Tagung „Hacking Education„. Eingeladen hatte der Start-up-Finanzinvestor („venture capitalist“) und Blogger Fred Wilson. Gekommen waren Gründer von software-getriebenen Weblern-Firmen und ein paar kreative Weblern-Experten und Lerntheoretiker von den Universitäten. Eine geschlossene Diskussionsveranstaltung, acht Stunden lang. (Die Themen sind hier.)

Die Kernsätze wurden via Twitter sofort ins Web gestellt, in Echtzeit, versehen mit dem Kennwort #hackedu (hier kann man alle nachlesen), und sie hatten dort sofort eine enorme Resonanz. Als ob alle darauf gewartet hätten, dass man sich von den gewohnten Bildungs-Diskursen endlich einmal löst und sich unvoreingenommen und radikal fragt, was das bedeutet: „Bildung im Zeitalter des Web“. Seitdem kursieren im Web eine ganze Reihe von Thesen und Kernsätzen, alle nicht länger als 140 Zeichen … Das Transkript der Diskussionen soll bald veröffentlicht werden.

Wieso „Hacking“? Kann das auch etwas Positives sein?

Wenn „Hacken“ so gebraucht wird, wie das OpenSource-Programmierer und MIT-Studenten seit langem tun, bedeutet es: Kreative, unkonventionelle, technisch versierte und lose vernetzte „Einzelkämpfer“ funktionieren spielerisch ein vorhandenes kompliziertes und geschlossenes System für eigene Zwecke um. Das System wird geöffnet. Seine Kraftquellen werden angezapft, die Möglichkeiten anders genutzt als vorgeschrieben.

Dabei setzen „Hacker“ möglichst einfache Mittel so geschickt ein, dass sie maximale Wirkung erzeugen. In diesem Sinn hat etwa Tim Berners-Lee mit der Erfindung des World Wide Web, eigentlich ein Bündel relativ simpler Protokolle und Technologien, das große Internet „gehackt“. In diesem Sinn ist Linus Torvalds, der Inspirator von Linux, ein „Hacker“. Ward Cunningham, Erfinder des Wiki, ist ebenso Hacker, wie Dave Winer, der Blog- und Feed-Pionier. Und natürlich Biz Stone und Evan Wlliams, die zuerst 1999 „Blogger“ und dann 2006 „Twitter“ eher bastelten als im herkömmlichen Sinn der großtechnischen IT „entwickelten“.

Im Mittelpunkt des „Hacker Ethos“ [hier ist ein Zitat] steht – ein bisschen verschwommen, aber doch gut erkennbar – der freie, selbstbestimmte, kreative, spielerische und unternehmungslustige Einzelmensch. Eher nicht Kapitalisten, deren Lebensinhalt Geld ist, sondern Leute, die ihr Hobby wie einen Beruf betreiben. Oder umgekehrt. Die „Web 2.0 Venture Capitalists“ wie Fred Wilson oder Paul Graham sind dann Leute, die ihr kapitalistisches Know-how einsetzen, um solche Start-ups zu fördern. (Das wird ohnehin das Resultat der KRISE sein: Viel mehr kleine, vogelfreie, knapp bezahlte Aktivitäten, aber die dafür mit Überzeugung und stark vernetzt [#].)

Das ganze „Web 2.0“ wird von diesem Hacker-Geist getragen und getrieben. Begriff und dahinterstehende Haltung lassen sich leicht auch auf Inhalte übertragen: Blogger und Microblogger „hacken die Medien“, d.h. sie funktionieren das Mediensystem um.

Was also heißt dann „Hacking Education“, die Bildung hacken? Es bedeutet eine radikal andere sPerspektive, die/den einzelne/n LernerIn radikal in den Mittelpunkt stellt. Nicht den Nutzen, den sich das System vom Lernen/Lehren verspricht, nicht die Perspektive der Lehrenden, sondern „die Nutzer“ selbst. Genau so wie im Web immer schon die/der Einzelne im Zentrum steht: Die leere Google-Seite als Schnittstelle zum Weltwissen. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Eine unfassbare Revolution.

Die Bildung hacken: Tafel 2.0 und Web 2.0

(1) Das alte Bildungssystem „hacken“, das heißt seine eigenen Mittel besser zu kennen und zu beherrschen als das System selbst und es dann umzufunktionieren. Wie ein Hip-Hop-DJ den Plattenspieler umfunktioniert. Genau das passiert, wenn Lehrer eine Methode entwickeln („Lernen durch Lehren“, LdL), die Schüler nacheinander an die Tafel stellt und dann die ganze Stunde lang das Klassengespräch moderieren lässt. Die Lerntechnologie selbst ist hier alt: Klassenzimmer, Stuhlreihen, Tafel und Kreide. Aber diese Technologie wird „gehackt“: „Tafel 2.0“ sozusagen. Es ist daher völlig folgerichtig, dass diese Tafel-und-Kreide-Hacker sich jetzt gerade im Web (YouTube-Video) als ein sehr lebendiges und offenes Netzwerk organisiert haben. Obwohl sie im Unterricht erst einmal gar kein Web einsetzen. (Der Informatiker/Mathematiker Christian Spannagel, der im Video erzählt, ist eine treibende Kraft.)

(2) Und man kann die neuen Technologien, d.h. das bereits gehackte Web gezielt einsetzen, um das Bildungssystem umzufunktionieren. Wenn Universitätslehrer die offizielle Universitäts-IT umgehen und sich selbst Wikis einrichten (z.B. hier von Herbert Hrachovec) oder mit den Studenten auf öffentliche Blog-Plattformen ausweichen (wie Heinz Wittenbrink in Graz [#]). Und es geschieht auch dann, wenn das berufliche Weiterbildungssystem über das Web kurzgeschlossen wird. Die Programmierer machen das ja schon immer. Aber inzwischen man kann sich im Web eigentlich schon sehr viel besser das Wissen für einen MBA (Master of Business Adminstration) aneignen als in den teuren MBA-Studiengängen, die überall angeboten werden wie saures Bier. Das Problem ist dann natürlich das Zertifikat. Die Manager brauchen das, noch. In unserer Wirtschaft regiert immer noch die Streber-Mentalität. (Übrigens auch bei Google, wie gerade jetzt heiß diskutiert wird.) Ein guter Web-Programmierer braucht das nicht, er zeigt seine Projekte vor. Dagegen gibt es noch keine eingeführte Form, anderen zu zeigen, dass man ein „Web-MBA“ *ist*, d.h. nicht nur „gemacht hat“.

Vor vielen Jahrzehnten war die Schule das Web

Der Campus, der Schulhof, die Bibliothek, auch das bürgerliche Bücherregal der privilegierten Schüler: Das ist heute alles das Web. Ob es einem passt oder nicht. Und damit ändert sich auch dann alles, wenn man am bestehenden Bildungssystem gar nichts ändert. Die alte Hardware/Software für Lernen waren Gebäude, Flure, Räume mit eingebauter Blickrichtung, Stundenpläne, eine künstlich zugespitzte Aufspaltung in Experten und Nichtswisser. Und lange Zeit war dieses System bei allen offensichtlichen Mängeln (und Schüler und Studenten aller Generationen kannten die sehr gut) eine effektive Maschine. Es gab keine andere. Die einzig mögliche Technologie um Wissen zu formalisieren, zu verteilen und weiterzuentwickeln.

Für meinen Großvater, achter Sohn eines Oberpfälzer Bauern, war die Höhere Schule selbst so etwas wie das heute das Web: Zugang zum Weltwissen. Ein (wenn auch sehr unvollkommenes) Trainingscenter für Schreiben, Rechnen, Reden. Und ein Ort der Freiheit: Nicht arbeiten müssen bis man todmüde ins Bett fällt. (Die Netz-Infrastruktur dafür waren damals Elektrizität, die Telegraphie und das Eisenbahn-Netz.) Dafür wurden dann auch autoritäre, prügelnde Pauker in Kauf genommen.

Die damals brandneuen Reclam-Heftchen waren Google, die Studentenverbindung war das soziale Netzwerk. Für mein jugendliches Selbst war dann sehr viel später die Post-68er-Universität so etwas wie heute das Web: sehr freies Studieren, Suhrkamp-Taschenbücher, „Wohngemeinschaften“ und „Studentenkneipen“ für vernetztes „Diskutieren“, eine Bibliothek, in der man Bücher nach 15 Minuten bekam. In mancher Hinsicht ein Luxus: Es gab Zeit, es gab Geld, das Wissenssystem war geöffnet worden, aber die bürgerliche Bildung lieferte noch fossilen Brennstoff. Wenn man Glück hatte, konnte die Uni damals großartig sein. (Oft passierte aber auch gar nichts.) Es gab noch keine MultipleChoice-Prüfungen, die das geistige Vakuum ersetzen müssen. Eine vergangene Epoche.

Die Bildung hacken

Heute kann ich ganz gut Englisch, aber nur weil ich es nach ein paar Jahren im Web viel besser gelernt habe als in 9 Schuljahren. Lustigerweise auch viel besser reden, obwohl ich im Web nur lese und schreibe. Meine Wissensquellen sind fast nur englisch, auch die Bücher. Heute würde ich gern Mathematik können, weil ich gerne Programmieren können würde, aber ich habe in der Schule sehr wenig gelernt. Heute muss ich in gewisser Hinsicht auch ganz neu schreiben und lesen lernen, weil ich alles nur noch über den Bildschirm mache. (Worauf mich die Pop-Kultur der 1980er übrigens sehr viel besser vorbereitet hat als das Bildungssystem.)

Die Zeit der Schulen, Universitäten und Weiterbildungs-Institutionen wie wir sie kennen, ist vorbei. Nur die werden künftig Erfolg haben, die sich als Katalysator für Weblernen & Selbstlernen verstehen. Daneben bildet sich eine digitale Schattenwirtschaft heraus. Ein OpenSource-Bypass für das versteinerte Herz des Bildungssystems.

Das ist die Lage. Das ist die logische Entwicklung. Und das ist der konkrete Ausgangspunkt, um das einmal auch in Deutschland zu diskutieren, öffentlich im Web: Hacking Education. Die Bildung hacken. Auseinandernehmen, neu zusammensetzen, und mit kleinen Eingriffen umprogrammieren.

Das Projekt haben Basti Hirsch und ich am letzten Wochenende uns ausgedacht und angestoßen. Am Samstag waren wir noch zu zweit, am Sonntag haben wir das fast leere Wiki öffentlich gemacht, jetzt ist es schon eine kleine Community. Die spontane Resonanz war verblüffend. Es wird also irgendeine Veranstaltung geben, Mitte Oktober. Zugleich im Web und im Körper-und-Stimmen-Raum. Ich bin selbst gespannt, was das wird. Bleiben Sie dran.

Clay Shirky, ein in einschlägigen Kreisen zu Recht berühmter Web-Intellektueller und Professor aus New York, hat jetzt gerade einen Essay über die Zukunft der Zeitungen; geschrieben: „Newspapers and Thinking the Unthinkable“.

Er vergleicht die Zeit um 2009 mit der Zeit um 1499: Das digitale Text-Universum des Web verdrängt jetzt gerade die Buchdruckkultur, wie damals nach Gutenberg der Buch- und Flugblattdruck die Mönche und Klöster verdrängte.

Shirky sagt, schlagwortartig zusammengefasst: Die Zeit der Zeitungen, wie wir sie kennen, ist vorbei. Aus zwei Gründen:

(1) Ihr Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr. Früher wurden die Leitartikel und das Feuilleton und das Büro in Bagdad finanziert durch Kleinanzeigen und Werbe-Doppelseite für das neueste Automodell.

(2) Sie sind überflüssig geworden, weil die textförmige Information, die sie früher exklusiv vermittelten, jetzt überall im Web zugänglich ist. Es ist wahr, dass hier wertvolle Strukturen der Kritik und Meinungsbildung und vielleicht sogar ein ganzer Pfeiler der demokratischen Gesellschaft wegbricht, aber so ist es eben. Wenn wir die demokratische Gesellschaft retten wollen, müssen wir Experimente vorantreiben, nicht Experimente verhindern.

Was kommt also heraus, wenn man in Clay Shirkys Essay den Begriff „Zeitung“ konsequent ersetzt durch „Bildungssystem“? Wenn man wie er das Undenkbare probeweise einmal denkt und hinschreibt? Denn eigentlich muss uns allen ja klar sein: Der digitale Umbruch wird jetzt revolutionäre Folgen für unsere Lern- und Wissensordnung haben. Genauso wie der Buch- und Flugblattdruck das Schul- und Bildungssystem des Mittelalters in wenigen Jahrzehnten vollkommen zerstörte.

Das Web gibt es seit 20 Jahren. Es ist eigentlich recht wahrscheinlich, dass wir in weiteren 20 Jahren unsere Schulen, unsere Universitäten, unsere „berufliche Weiterbildung“ nicht mehr wiedererkennen werden. Ob ich das glaube? Nun, ich bin ein grauhaariger Mönch, der staunend zusieht, wie sich alles ändert. Es fällt mir fast genauso schwer, mir den kommenden Umbruch vorzustellen, wie es einem Banker noch 2008 schwer gefallen ist sich vorzustellen, dass das Weltfinanzsystem zusammenbricht.

Im Folgenden habe ich ein paar Passagen aus Shirky’s Essay übersetzt und auf das Bildungssystem bezogen. Nur aus Neugierde, um zu sehen, was herauskommt, wenn man versuchsweise das ausspricht, was undenkbar und offensichtlich zugleich ist:

( >> mehr)

„Ich denke, an den Arbeitsplätzen von heute geht es immer weniger darum, sicheres Wissen zu haben. Es geht nicht mehr darum, sich zu erinnern. Es geht nicht mehr um all das Zeug, das Weiterbildungsinstitutionen normaler Weise anbieten …“

Ich habe endlich mein Interview mit Teemu Arina (Blog) ins Deutsche übersetzt, dem jung-genialischen CEO von Dicole. Ihn habe ich auf der letzten Microlearning-Konferenz kennengelernt, für die ich ihn als Sprecher geholt habe. Und er war ausgesprochen gut. (Hier ist das Keynote-Video.)

Hier ist der Text des Interviews, zum Online-Lesen und/oder Herunterladen und Ausdrucken. Hier ist dazu die inzwischen recht bekannte Grafik, die seine Version von Jay Cross’s Informal Learning-Konzept visualisiert.

Ein witziger Typ: 27 Jahre alt, glaube ich, ein finnischer „Wunderkind“-Software-Unternehmer und Selfmade-Intellektueller. (Die Firma hat er 2000 gegründet, weil ihn das Schul-Lernen genervt hat.) Aber einer, der keine Blasen produziert – keine ökonomische Blasen und keine Sprechblasen. In Interview macht er sich vor allem zu Details Gedanken. Er verbreitet nicht einfach irgendwie richtige, aber viel zu vage Social Software-Parolen.

Teemu ist von sich eingenommen, aber auf eine sympathische und entspannte Weise. Er ist gut und er weiß das. (Hier ist er in kurzen YouTube-Videos, auf englisch.) Man fragt ihn irgendetwas, und er beginnt aus dem Stegreif gute Ideen dazu zu formulieren, in diesem Fall Geschäftsideen für die berufliche Weiterbildung, Open Source live gewissermaßen.