„Mag sein, daß deutsch bald eine tote Sprache ist. Man kann sie so schlecht singen, man muß in dieser Sprache meistens immerzu denken“. So vor 35 Jahren der Dichter R.D. Brinkmann 1974 im Vorwort seines Buchs „Westwärts 1 & 2“.

Deutsch singen geht ja inzwischen sehr viel besser, nach langem kollektivem Üben. Aber warum kommt die deutsche Blog-Szene so schwer in Gang, insgesamt gesehen? Und welche guten Blogs gibt es, die das Thema „Wissen/Lernen“ mit dem Denkstil des Web 2.0 verbinden?

Damit ein Blog funktioniert, braucht es (1) eine lebendige, direkte und unperfekte Schreib-Stimme, und (2) einen konsequenten Blickwinkel aus der User-Sicht. Und dazu (3) ein Netzwerk von geistesverwandten Blogs, damit gedankliche Kettenreaktionen in Gang kommen, ohne sich (4) auf eine Insider-Sicht beschränken. Schwierig. (Und ja, ich muss das selber erst üben.)

Trotzdem: In den letzten Monaten hat man das Gefühl, dass etwas losgeht. Auch bezogen auf das Thema „Lernen im Web“ könnte die kritische Masse langsam erreicht sein. Bisher waren das vier relativ isolierte Gruppen von engagierten Blogs:

– Weiterbildungsblogs (streng genommen gibt es fast nur eins).
– Medienpädagogen-Blogs (bei weitem die meisten).
– Lerntechnologie-Praktiker-Blogs (die interessantesten).
– Und schließlich Lehrerblogs (eine ganz eigene Gruppe).

Experten-Blogs sind immer da am besten, wo sie eben nicht aus der Sicht der Experten schreiben (die sich von selbst verstehen sollte), sondern aus der Sicht der Lerner und User. Auch wir „e-Learning 2.0“-Protagonisten sind ja in Gefahr, auf andere Weise dann doch wieder in das alte „e-Learning 1.0“-Denkmuster zu verfallen, dass „die Lerner“ immer die anderen sind: ein wenig doof, störrisch, müssen mit Zuckerbrot und sanftem Zwang auf den richtigen Lernpfad gebracht werden, und dann muss man auch noch dauernd aufpassen, dass sie nicht stehenbleiben, vom Pfad abkommen und sich in der Wildnis verirren. (Diese fiese Frage, die manchmal auf e-Learning-Konferenzen vom Podium gestellt wurde, wer denn im letzten halben Jahr denn selbst erfolgreich „e-Learning“ gemacht hat: Niemand natürlich.)

Hier also, nicht zuletzt für mich selbst, eine kommentierte Liste der deutschsprachigen Blogs, die sich mit Weblernen befassen. (Weitere Empfehlungen sehr willkommen!)

Das konsequenteste „Weblernen“-Blog ist edufuture von Anja Wagner. Sie legt mit vollem Recht großen Wert auf Tools und Technologie: Software, User Experience Design. Und sie hat dabei trotzdem das große Ganze im Blick: Wie verändert sich Lernen im Web und durch das Web? In ihrem großartigen Berliner eVideo-Projekt experimentiert sie ganz pragmatisch mit Weblern-Formen der Zukunft.

Leise und feinsinnig schreibt Jochen Robes im weiterbildungsblog über „e-Learning 2.0“ im Weiterbildungs-Kontext. Schreibt über? Ach was: er personifiziert es. Viele, vielleicht sogar zu viele gute Links auf englischsprachige Blogposts. Denn die sind es immer wert, verfolgt zu werden, nur dass das kaum jemand macht, aus Zeit- und nicht zuletzt aus Sprachgründen. Überhaupt ist die Barriere zwischen den englisch- und deutschsprachigen Blogs immer noch erstaunlich tief: als ob die sprachliche Kluft auch die Gedankenwelten trennt, und zwar auch bei denen, die die englischsprachigen Blogs täglich lesen. Ich merke das ja selbst: Immer wenn ich deutsch schreibe, werden die Sätze gleich beamtenhafter. Daher mein Wunsch ans weiterbildungsblog: Prägnante Zusammenfassungen der wichtigsten Kernargumente auf deutsch, damit endlich die Diskussion hier auch in Schwung kommt. Und überhaupt noch mehr selbstbewusste, eigene Formulierungen. Das wünsche ich mir auch vom Blog zur Scope-Konferenz. Da geht es um „Die Zukunft des Lernens“, aus der Perspektive von Personalentwicklung 2.0: Viel gutes Material, viele Interviews mit den besten internationalen Avantgardisten, aber insgesamt wohl zu geeky für Leute, die nicht auf Anhieb wissen (oder wissen wollen), was „geeky“ heißt.

Richtig gut lesbar ist das Grazer elearningblog: Eine sehr angenehme, unakademische Blog-Stimme und viele lakonische, enthusiastische Posts zu Lern-Erfahrungen, die von Tools ausgehen. Hier wird „EduPunk“ propagiert, was weniger wild ist als es klingt: Lernen als Web 2.0-Do-It-Yourself-Ding, unbesorgt, ob man es „richtig“ macht. Kein Uni-Geruch, obwohl Dipl.-Ing. Dr. techn. Martin Ebner an der TU Graz vorbildliche Lehre 2.0 designt, als „Leiter der Abteilung Vernetztes Lernen am Zentralen Informatikdienst“.

Die praktische Experimentierlust teilt Ebner mit Marcel Kirchner und Thomas Bernhardt vom elearningzweinull-blog, die das höchst lebendige EduCamp-Netz aufgezogen haben. Im Blog herrscht Workshop-Atmosphäre, Selbstverständigung der Uni von unten. Die Brutstätte künftiger Weblern-Aktivisten. In dieses Umfeld gehört auch Steffen Büffels media-ocean. Es geht um Medien 2.0 generell, viele Interviews, immer wieder auch zu Weblern-Themen.

Ganz anders, aber eben auch unakademisch, mit sehr persönlicher Blog-Stimme, schreibt Andrea Back, leibhaftige Professorin (Wirtschaftsinformatik) aus St.Gallen, zu Business 2.0. Back und Robes haben zusammen gerade den Wissenwert Blog Carnival gestartet. Eine Frage, die alle interessiert, wird monatlich gepostet. Wer mag, antwortet dann spontan im eigenen Blog. Die Links werden zentral zusammengefasst: „Das Web ist eine Konversation.

Die Grenzen zwischen Enterprise 2.0 und Wissensmanagement und Lernen sind fließend. Dazu gibt es zwei Blogs aus Württemberg: Jochen Niemeier und Martina Göhring notieren in centrestage nüchtern, pragmatisch und gut die Schwierigkeiten, die neu entstehende Web-Kultur mit der alten Unternehmenskultur zu vereinbaren. Darum gehts auch in frogpond, dem besten deutschen Enterprise 2.0-Blog. Martin Koser schreibt zwischendurch auch mal auf Englisch und kennt alle wichtigen internationalen Web-Experten. Er schreibt nicht über e-Learning,aber über Weblernen lernt man hier mehr als bei den meisten e-Learning-Experten.

Eine große Fraktion der deutschsprachigen e-Learning 2.0-Blogs bilden die Uni-Medienpädagogen. Matthias Rohs und Mandy Schiefner haben sich mit dem 2headz-Blog gerade zusammengetan: Das klingt noch ein bisschen gehemmt manchmal. Ralf Appelt bloggt auf loveitorchangeit. Knotenpunkt ist das e-Denkarium von Gabi Reinmann: Noch eine Professorin, noch eine sehr lebendige Blog-Stimme. Sicher die sympathischste und vernünftigste Seite akademischer Lern-Forschung,und wieder immer da am interessantesten, wo die eigenen Experimente im Mittelpunkt stehen.

Der pädagogische e-Learning-Diskurs selbst hat ja das Problem, dass er immer hinterherhinkt. Die Kluft ist groß zwischen der vorauseilenden Web 2.0-Praxis und der nachbuchstabierenden akademischen Reflexion, die im Grunde das Neue, so gut es halt geht, in traditionelle Uni-Sprache übersetzt. Niemand verpasst etwas, der all die deutschsprachigen akademischen Aufsätze zu e-Learning nicht liest, obwohl viele von guten Leuten geschrieben werden.

Genau wie sich niemand um EU-eLearning-Projekte kümmern muss, auch wenn gute Leute wie Marco Kalz dabei sind: Da sprechen Institutionen mit sich selbst, und die Resultate werden permanent von der Web-Wirklichkeit überholt.

Und am Ende noch ein paar richtig gute Lehrerblogs (wit vielen weiteren Links), die zunehmend über den Tellerrand hinausschauen und sich mit Weblern-Grundsatzfragen auseinandersetzen: etwa Herr Larbig, Lila Rosa und René Scheppler (der noch ein bisschen lehrerhaft schreibt). Sehr spannend z.B. die aktuelle moodle-Diskussion der Lehrer, in der es ja eigentlich um PLÖs geht und auf die ich noch zurückkommen werde: Einstieg hier und hier.)

Schlussendlich: Die Posts in diesem Blog hier sind *viel* zu lang. Das wird sich hoffentlich ändern, wenn endlich die gedanklichen Ecksteine versenkt sind …„Mag sein, daß deutsch bald eine tote Sprache ist. Man kann sie so schlecht singen, man muß in dieser Sprache meistens immerzu denken“. So vor 35 Jahren der Dichter R.D. Brinkmann 1974 seines Buchs „Westwärts 1 & 2“.

Deutsch singen geht ja inzwischen sehr viel besser, nach langem kollektivem Üben. Aber warum kommt die deutsche Blog-Szene so schwer in Gang, insgesamt gesehen? Und welche guten Blogs gibt es, die das Thema „Wissen/Lernen“ mit dem Denkstil des Web 2.0 verbinden?

Damit ein Blog funktioniert, braucht es (1) eine lebendige, direkte und unperfekte Schreib-Stimme, und (2) einen konsequenten Blickwinkel aus der User-Sicht. Und dazu (3) ein Netzwerk von geistesverwandten Blogs, damit gedankliche Kettenreaktionen in Gang kommen, ohne sich (4) auf eine Insider-Sicht beschränken. Schwierig. (Und ja, ich muss das selber erst üben.)

Trotzdem: In den letzten Monaten hat man das Gefühl, dass etwas losgeht. Auch bezogen auf das Thema „Lernen im Web“ könnte die kritische Masse langsam erreicht sein. Bisher waren das vier relativ isolierte Gruppen von engagierten Blogs:

– Weiterbildungsblogs (streng genommen gibt es fast nur eins).
– Medienpädagogen-Blogs (bei weitem die meisten).
– Lerntechnologie-Praktiker-Blogs (die interessantesten).
– Und schließlich Lehrerblogs (eine ganz eigene Gruppe).

Experten-Blogs sind immer da am besten, wo sie eben nicht aus der Sicht der Experten schreiben (die sich von selbst verstehen sollte), sondern aus der Sicht der Lerner und User. Auch wir „e-Learning 2.0“-Protagonisten sind ja in Gefahr, auf andere Weise dann doch wieder in das alte „e-Learning 1.0“-Denkmuster zu verfallen, dass „die Lerner“ immer die anderen sind: ein wenig doof, störrisch, müssen mit Zuckerbrot und sanftem Zwang auf den richtigen Lernpfad gebracht werden, und dann muss man auch noch dauernd aufpassen, dass sie nicht stehenbleiben, vom Pfad abkommen und sich in der Wildnis verirren. (Diese fiese Frage, die manchmal auf e-Learning-Konferenzen vom Podium gestellt wurde, wer denn im letzten halben Jahr denn selbst erfolgreich „e-Learning“ gemacht hat: Niemand natürlich.)

Hier also, nicht zuletzt für mich selbst, eine kommentierte Liste der deutschsprachigen Blogs, die sich mit Weblernen befassen. (Weitere Empfehlungen sehr willkommen!)

Das konsequenteste „Weblernen“-Blog ist edufuture von Anja Wagner. Sie legt mit vollem Recht großen Wert auf Tools und Technologie: Software, User Experience Design. Und sie hat dabei trotzdem das große Ganze im Blick: Wie verändert sich Lernen im Web und durch das Web? In ihrem großartigen Berliner eVideo-Projekt experimentiert sie ganz pragmatisch mit Weblern-Formen der Zukunft.

Leise und feinsinnig schreibt Jochen Robes im weiterbildungsblog über „e-Learning 2.0“ im Weiterbildungs-Kontext. Schreibt über? Ach was: er personifiziert es. Viele, vielleicht sogar zu viele gute Links auf englischsprachige Blogposts. Denn die sind es immer wert, verfolgt zu werden, nur dass das kaum jemand macht, aus Zeit- und nicht zuletzt aus Sprachgründen. Überhaupt ist die Barriere zwischen den englisch- und deutschsprachigen Blogs immer noch erstaunlich tief: als ob die sprachliche Kluft auch die Gedankenwelten trennt, und zwar auch bei denen, die die englischsprachigen Blogs täglich lesen. Ich merke das ja selbst: Immer wenn ich deutsch schreibe, werden die Sätze gleich beamtenhafter. Daher mein Wunsch ans weiterbildungsblog: Prägnante Zusammenfassungen der wichtigsten Kernargumente auf deutsch, damit endlich die Diskussion hier auch in Schwung kommt. Und überhaupt noch mehr selbstbewusste, eigene Formulierungen. Das wünsche ich mir auch vom Blog zur Scope-Konferenz. Da geht es um „Die Zukunft des Lernens“, aus der Perspektive von Personalentwicklung 2.0: Viel gutes Material, viele Interviews mit den besten internationalen Avantgardisten, aber insgesamt wohl zu geeky für Leute, die nicht auf Anhieb wissen (oder wissen wollen), was „geeky“ heißt.

Richtig gut lesbar ist das Grazer elearningblog: Eine sehr angenehme, unakademische Blog-Stimme und viele lakonische, enthusiastische Posts zu Lern-Erfahrungen, die von Tools ausgehen. Hier wird „EduPunk“ propagiert, was weniger wild ist als es klingt: Lernen als Web 2.0-Do-It-Yourself-Ding, unbesorgt, ob man es „richtig“ macht. Kein Uni-Geruch, obwohl Dipl.-Ing. Dr. techn. Martin Ebner an der TU Graz vorbildliche Lehre 2.0 designt, als „Leiter der Abteilung Vernetztes Lernen am Zentralen Informatikdienst“.

Die praktische Experimentierlust teilt Ebner mit Marcel Kirchner und Thomas Bernhardt vom elearningzweinull-blog, die das höchst lebendige EduCamp-Netz aufgezogen haben. Im Blog herrscht Workshop-Atmosphäre, Selbstverständigung der Uni von unten. Die Brutstätte künftiger Weblern-Aktivisten. In dieses Umfeld gehört auch Steffen Büffels media-ocean. Es geht um Medien 2.0 generell, viele Interviews, immer wieder auch zu Weblern-Themen.

Ganz anders, aber eben auch unakademisch, mit sehr persönlicher Blog-Stimme, schreibt Andrea Back, leibhaftige Professorin (Wirtschaftsinformatik) aus St.Gallen, zu Business 2.0. Back und Robes haben zusammen gerade den Wissenwert Blog Carnival gestartet. Eine Frage, die alle interessiert, wird monatlich gepostet. Wer mag, antwortet dann spontan im eigenen Blog. Die Links werden zentral zusammengefasst: „Das Web ist eine Konversation.

Die Grenzen zwischen Enterprise 2.0 und Wissensmanagement und Lernen sind fließend. Dazu gibt es zwei Blogs aus Württemberg: Jochen Niemeier und Martina Göhring notieren in centrestage nüchtern, pragmatisch und gut die Schwierigkeiten, die neu entstehende Web-Kultur mit der alten Unternehmenskultur zu vereinbaren. Darum gehts auch in frogpond, dem besten deutschen Enterprise 2.0-Blog. Martin Koser schreibt zwischendurch auch mal auf Englisch und kennt alle wichtigen internationalen Web-Experten. Er schreibt nicht über e-Learning,aber über Weblernen lernt man hier mehr als bei den meisten e-Learning-Experten.

Eine große Fraktion der deutschsprachigen e-Learning 2.0-Blogs bilden die Uni-Medienpädagogen. Matthias Rohs und Mandy Schiefner haben sich mit dem 2headz-Blog gerade zusammengetan: Das klingt noch ein bisschen gehemmt manchmal. Ralf Appelt bloggt auf loveitorchangeit. Knotenpunkt ist das e-Denkarium von Gabi Reinmann: Noch eine Professorin, noch eine sehr lebendige Blog-Stimme. Sicher die sympathischste und vernünftigste Seite akademischer Lern-Forschung,und wieder immer da am interessantesten, wo die eigenen Experimente im Mittelpunkt stehen.

Der pädagogische e-Learning-Diskurs selbst hat ja das Problem, dass er immer hinterherhinkt. Die Kluft ist groß zwischen der vorauseilenden Web 2.0-Praxis und der nachbuchstabierenden akademischen Reflexion, die im Grunde das Neue, so geht es halt geht, in traditionelle Uni-Sprache übersetzt. Niemand verpasst etwas, der all die deutschsprachigen akademischen Aufsätze zu e-Learning nicht liest, obwohl viele von guten Leuten geschrieben werden.

Genau wie sich niemand um EU-eLearning-Projekte kümmern muss, auch wenn gute Leute wie Marco Kalz dabei sind: Da sprechen Institutionen mit sich selbst, und die Resultate werden permanent von der Web-Wirklichkeit überholt.

Und am Ende noch ein paar richtig gute Lehrerblogs (wit vielen weiteren Links), die zunehmend über den Tellerrand hinausschauen und sich mit Weblern-Grundsatzfragen auseinandersetzen: etwa Herr Larbig, Lila Rosa und René Scheppler (der noch ein bisschen lehrerhaft schreibt). Sehr spannend z.B. die aktuelle moodle-Diskussion der Lehrer, in der es ja eigentlich um PLÖs geht und auf die ich noch zurückkommen werde: Einstieg hier und hier.)

Schlussendlich: Die Posts in diesem Blog hier sind *viel* zu lang. Das wird sich hoffentlich ändern, wenn endlich die gedanklichen Ecksteine versenkt sind …

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