Geldkrise, Zeugniskrise, Digitale Krise

Die lehrer-zentrierte und stoff-fixierte Schule von heute funktioniert nicht mehr. Sie muss anders werden, jetzt, in den nächsten Jahren. Aber wird sie sich wirklich ändern? Eher nicht, ist man geneigt zu sagen. Wie auch? Das Geld reicht ja noch nicht einmal, um Schuldächer abzudichten und Stundenausfall zu verhindern. Und wer sollte eine grundlegende Reform treiben? Alle Beteiligten halten ängstlich fest am Status Quo. In den Debatten über das Bildungssystem geht es nie um die Schule-wie-sie-ist, sondern immer nur um die Beschwörung von Glaubenssätzen, die das jeweils eigene Weltbild stützen. Und die SchülerInnen selbst haben keine Lobby.

Eine gemeinsam geplante und geschlossene Schulreform wird es also nicht geben. Alle grundlegenden Änderungen werden erzwungen sein. Drei starke Sachzwänge sehe ich, die das bewirken können:

Erstens die Geldkrise. Man wird nicht „mehr Geld in die Bildung“ geben, sondern weniger. Viel weniger. So schmerzhaft wenig, dass aus reiner Not Veränderungsdruck entsteht. Vielleicht werden darum die Schulen von morgen gerade in den verödenden ländlichen Regionen entstehen, wo der Schmerz am größten ist.

Zweitens die Zeugniskrise. Während SchülerInnen und StudentInnen wertvolle Lebenszeit mit dem sinnlosen Büffeln von Stoff für Multiple-Choice-Prüfungen verschwenden, geht deren Wert mehr und mehr gegen Null. In der neuen, flachen, digitalen Welt gibt es keine Lebenszeit-Arbeitsplätze in großen Beton-und-Glas-Organisationen mehr. Immer mehr werden in ständig wechselnden „Projekten“ arbeiten. Um aber diese Art von flexibler Arbeit zu bekommen, hilft ein gutes Zeugnis gar nichts.

Das sind zwei negative Sachzwänge. Positiv steht dem nur Eines entgegen: Die emanzipatorische Kraft der neuen digitalen Netz-Medien.

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