„Building Bildung With Software“ – das ist abgeleitet vom Blogpost-Klassiker von Joel Spolsky: „Building Communities With Software“ (2003). Der fragt sich dort: Wie baut man im Web einen „Ort“, an dem sich Leute gern treffen? So etwas wie die alten Cafes und Parteilokale in toskanischen Kleinstädten? Das, was es „in echt“ in unserer suburbanen Welt längst nicht mehr gibt?

Und die entscheidende Einsicht ist: Es reicht eben nicht, gutwillige Leute zu haben. Der sympathische und naive Satz „Das Web 2.0 besteht aus Leuten“ / „Web 2.0 is made of people“ ist falsch. (Die Klassiker-Antwort, ebd., lautete ja: Ja, es besteht aus Leuten. So wie Soylent Green.) Auch ein erfolgreicher Techno-Club besteht ja nicht einfach aus Leuten: Er besteht aus sorgfältig designter Hardware und einem Bündel von schwer greifbaren, in die Location quasi eingebauten Spielregeln.

Das Web 2.0 besteht nicht aus Menschen. Es besteht aus vernetzten Aktionen mit digitalen Objekten. (Und ja, das schließt Kommunikationen ein: Ein Tweet, ein Blogpost, ein Video auf YouTube ist ein „soziales Objekt“.) Das Web spart Stellen aus, in die jeder Mensch sich einschalten kann. Und es ist dann großartig, wenn die Menschen dabei das Gefühl bekommen, durch Vernetzung mehr zurückzubekommen, als sie investieren.

Web 2.0-Gefühl stellt sich nur dann ein, wenn die Software, die man gerade benutzt, Communities erzeugt, und eben nicht bestehende Community-Strukturen wie fossilen Brennstoff verbraucht.

Herkömmliche Lern-Communities verbrauchen aber soziales Kapital, das in der Realwelt aufgebaut wurde. (Und oft auch nur erpresst, wie Schutzgeld.) Sie erzeugen eben keine neue Energie, keinen neuen Zusammenhalt. Genau das passiert in so gut wie allen LMS-„Communities“, in Universitäten oder sonstwo. Dagegen entsteht in den guten Web 2.0-Netzwerken etwas Neues, das vorher und „in echt“ gar nicht möglich, ja gar nicht vorstellbar war: In Twitter-Netzwerken, im Scheibenwelt-Wiki, in Flickr-Fotogruppen, und vermutlich sogar — für die, die es mögen — in Xing (ich selbst bekomme immer einen Ausschlag, wenn ich dort sein muss).

Spolsky: „Schau dir ein paar Online Communities an und du wirst sofort spüren, dass eine völlig verschiedene Atmosphäre herrscht.“ Er bezog sich (in einem damals brandneuen „Blog“) noch auf Beispiele aus den 1990ern: Usenet-Messageboards, IRC-Chats. Aber bis heute gilt das Spolsky-Axiom: „Kleine und kleinste Details der Software-Umsetzung haben große Folgen. Die Communities verhalten sich anders, entwickeln sich anders, fühlen sich anders an.“

Und das gilt eben nicht nur für die Software-Entwickung selbst, sondern auch für alle die, die ein funktionierendes Netzwerk mit den fertigen Bausteinen herstellen wollen, die es inzwischen gibt: Blogs, Wikis, Microblogging (Twitter), Photosharing, Social Bookmarks, Soziale Netzwerk-Profilseiten, … Immer sind es die kleinen und kleinsten Details, die zählen. Die Klicks. Die Aufmerksamkeits-Momente.

Wir alle sind immer noch sehr am Anfang, wenn es darum geht, das zu verstehen und richtig zu benutzen.

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