Wann ist es in den Zeiten des Web 2.0 keine Geld-und Zeitverschwendung, ein CBT/WBT zu bauen? Als der Blog-Carnival kürzlich nach persönlichen e-Learning-Erfahrungen fragte (hier lesen!), habe ich spontan, aber tief empfunden geschrieben, dass „klassisches CBT-eLearning (vorgefertigte Klicktunnels und MultipleChoice-Tests)“ tot ist.

ele_smiley Ich habe in einem Kurs selbst gelernt, wie man so etwas erstellt, als zertifizierter “e-Learning Autor”, damals im Bubble-Jahr. Fast alle eLearning-Firmen, die ich auf der Learntec 2001 gesehen habe, sind inzwischen pleite. Ihr Angebot? Klicktunnels und LMS-Systeme. Wie sich so etwas dann aus der Sicht eines qualifizierten Mitar-beiters anfühlt, der Datenschutzregeln lernen muss, hat Horst-Dieter Bruhn (Kienbaum-Consultant) sehr lustig hier beschrieben.

Zu meiner allzu salonrevolutionären Bemerkung hat es sehr lesenswerte Kommentare aus den Schützengräben des eLearning gegeben (lesen!). Die Preisfrage ist ja tatsächlich: Unter welchen Voraussetzungen könnten CBTs/WBTs einen Sinn haben? Wie ist das bei Lernszenarien wie: “Steuerungsmöglichkeiten in einer Behörde durch Einführung der doppelten Buchführung” (#) und „6.500 Mitarbeiter müssen weltweit Anfang September die neuen Geldwäscherichtlinien kennenlernen, deren Prozesse bis Ende August beraten und implementiert wurden“ (#)?

Hier sind die Multiple Choice-Antworten dazu, die ich künftigen eLearning-Autoren-Kursen gern zur Verfügung stelle. Welche Punkte müssen erfüllt sein?

1. Der „Wissensstoff“ liegt selbst in programmierter Form, d.h. als Flowchart, vor und ist möglichst selbst auf Bildschirmen zuhause.

2. Der „Wissensstoff“ lässt sich in 10 Grundbegriffen und 10 einfachen Schritten ausdrücken. (Wenn es 15 sind, muss man schon zwei getrennte CBTs bauen.)

3. Die Nutzer fühlen sich tatsächlich selbst überfordert und sehnen sich und nach einem Gefühl von Orientierung und Kontrolle. Idealer Weise dient das sehr kurze CBT der Vorbereitung einer folgenden, intensiven Lernphase, in der man selbst etwas tut (Workshop und/oder kollaboratives Weblernen).

4. Man hat viel Geld und viel Zeit für die Entwicklung. Und sehr gute Interaktions-Designer und Informations-Architekten (das hieß früher „Didaktiker“), den Rat von erfahrenen Praktikern und einen sehr klaren Plan. Und gute Grafiker. Und Texter, die sehr gut und sehr knapp schreiben können. (Am ehesten habe ich gutes klassisches eLearning-Authoring bisher bei der britischen Firma Kineo gesehen. Dort auch viele freie Materialien: Weblernen zu eLearning-Authoring.)

5. Der „Wissenstoff“ soll, muss und kann sehr vielen Leuten in standardisierter Form vermittelt werden soll – entweder weil es sehr viele Lerner gleichzeitig gibt oder/und weil der Wissensstoff sich tatsächlich über mindestens 3 Jahre nicht verändert.

6. Das Klicktunnel-CBT ist genau dazu da, die Antworten für eine Klicktunnel-Prüfung auswendig zu lernen. Form=Inhalt. Für die armen Lerner-Hunde, die ein Zertifikat erwerben wollen und dafür mit Geld und Lebenszeit bezahlen. Das tun sie, solange irgendjemand solche Zertifikate nachfragt, von denen jeder eigentlich weiß, dass sie inhaltlich völlig wertlos sind. (Zum Beispiel: Die Prüfung zum Projektmanager.)

Und hier gehts zur Auflösung unserer Preisfrage, mit ein paar Gedanken, Beispielen und Links: >> mehr.

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